15.05.2025

Oscar Wild tifft Anthropologie und macht Party in Neaple

Gestern war ich in Neapel. Und dann kurz in Capri. Und dann wieder zurück in Neapel.

Natürlich nur als Besucher dieses Films. Oder …




Parthenope ist eine der Sirenen der griechischen Mythologie. Sirenen sind mythische Wesen, die mit ihrem betörenden Gesang Seefahrer ins Verderben locken. In Homers Odyssee werden die Sirenen zwar erwähnt, aber noch nicht namentlich genannt. Spätere Autoren wie Plutarch und Johannes Tzetzes gaben den Sirenen individuelle Namen, darunter Parthenope. Neapel wird als Parthenope beschrieben.


In diesem Film ist es eine Schönheit namens Parthenope, die 1950 in Neapel geboren wurde und nach der mythologischen Sirene benannt ist. Sie ist von überirdischer Schönheit und zieht viele Männer in ihren Bann, bleibt aber unabhängig und widmet sich der Anthropologie, insbesondere philosophischen Fragen des Lebens, der Liebe und der Vergänglichkeit.


Diese drei Themen sind schon immer die Themen der Filme des Regisseurs Paolo Sorrentino. Für „La Grande Bellezza - Die große Schönhei“ bekam er den Oscar. Für den Film „Ewige Jugend“ drei Oscar Normierungen. Immer geht es um das Dreieck Begehren, Schönheit und Vergänglichkeit.




Der Film ist eine Hommage an die Stadt Neapel die für die Vergänglichkeit steht. Und es gibt eine zweite Parthenope. Diese wunderschöne Frau. Paolo Sorrentino, der diese mythologische Figur als Symbol für Schönheit, Freiheit und die Komplexität des Lebens neu interpretiert. In beiden Ausprägungen.




Wir erleben das Leben dieser wunderschönen Frau die Anthropologien werden will. Diese Schönheit lebt ihr Leben und studiert damit die Fragen ihres Faches. Und wir schauen ihr dabei zu.
• Was bedeutet Wissen?
Als Anthropologin sucht Parthenope nach dem Wesen des Wissens und der Erkenntnis. Besonders ihre Beziehung zu Professor Marotta dreht sich um die Frage, was es heißt, wirklich „hinzusehen“. Marotta erklärt ihr: „Anthropologie heißt Hinschauen.“ Parthenope erkennt, dass echtes Verstehen nicht bloßes Beobachten ist, sondern eine Fähigkeit, die man erst am Ende des Lebens wirklich erlernt.


• Wie sehr lohnt sich Liebe?


Die Bedeutung und der Wert der Liebe sind zentrale Themen. Parthenope erlebt Liebe in vielen Facetten – von jugendlicher Schwärmerei bis zu obsessiven und unerfüllten Beziehungen. Sie reflektiert, wie Liebe das Leben prägt, aber auch, wie sie Gefahr, Schmerz und Einsamkeit mit sich bringen kann.


• Wie trifft uns die Vergänglichkeit?


Der Film setzt sich intensiv mit Vergänglichkeit auseinander – von Jugend und Schönheit bis hin zu Verlust und Tod. Parthenope wird als Verkörperung absoluter Schönheit gezeigt, ist sich aber stets der Endlichkeit des Lebens und der Flüchtigkeit des Glücks bewusst.


• Was ist der Sinn von Schönheit und deren Preis?




Parthenope fragt sich, welchen Wert und welche Gefahr Schönheit birgt. Sie erkennt, dass Schönheit Türen öffnet, aber auch zur Projektionsfläche für Begehren und Fantasien wird. Der Film thematisiert, wie Schönheit sowohl Segen als auch Bürde sein kann.


• Was bedeutet Freiheit?


Parthenope sucht nach Unabhängigkeit und Selbstbestimmung. Ihre größte Leidenschaft gilt der Freiheit – sie will sich nicht auf eine Rolle oder ein Leben festlegen lassen, das andere für sie vorgesehen haben.







• Wie steht es um das Wunderbare in der modernen Welt?


Im Verlauf des Films beschäftigt sich Parthenope auch mit der Frage, ob es in einer aufgeklärten, modernen Gesellschaft noch Platz für das Wunderbare und das Unerklärliche gibt – etwa im Zusammenhang mit religiösen Wundern und der katholischen Kirche.
Das klingt alles nach einem trocknem Vortrag. Das bildgewaltige Gegenteil ist der Fall. Und das gelingt Paolo Sorrentino durch den Trick zwei Parthenope‘s zu haben. Wie bei Oscar Wilde‘s „Bildnis des Dorian Gray“ wird die Stadt Neapel als Parthenope immer älter, hässlicher und heuchlerischer. Und die Frau Parthenope bleibt weiterhin göttergleich wunderschön und unerreichbar.
Dieser Film schaut hin und ist grausam in seiner Ehrlichkeit. Er findet Bilder und zeigt Episoden, die jedem Zuschauer nicht mehr die Freiheit gibt, sich selbst anzulügen, über sich selbst


Immanuel Kant hat in seiner Philosophie ähnliche Fragen gestellt.
1. Was kann ich glauben?
2. Was kann ich wissen? Ursache und Wirkung = Kausalität
3. Was soll ich tun? Ethik Kants des kategorischen Imperativs
Ähnliche Fragen wie die der Film stellt. Professor Marotta hat den Unterschied in Film bereits erklärt. Es geht nicht um die Antworten, sondern um die Fragen.
„Anthropologie heißt Hinschauen.“
Das echte Verstehen ist nicht bloßes Beobachten, sondern eine Fähigkeit, die man erst am Ende des Lebens wirklich erlernt.
Kant gilt immer. Parthenope bekommt ihre Antworten erst im Alter.
Als ich das erste mal in Neapel war, das erste mal auf Capri, habe ich diesen Film bereits gelebt. Das isst ungefähr 10 Jahre her. Und ich war nicht Parthenope. Oder halt eben doch. Halt aber die andere Parthenope.

Ich hatte damals schon die Fragen. Schneller als mir lieb ist, bekomme ich jetzt die Antworten.

In Demut für dieses weitere Meisterwerk von Paolo Sorrentino, wünsche ich mir sehr Menschen mit den ich diesen Film besprechen kann.

Wenn das Thema immer das Dreieck ist aus Begehren, Schönheit und Vergänglichkeit. Und Neapel die Vergänglichkeit ist. Und Parthenope die Schönheit. Dann ist der Zuschauer, dann bin wohl ich das Begehren. Und da ich Fragen und Antworten habe würde ich über das Begehren im Alter mit anderen Zuschauern besprechen.



PS: Hier ein kleiner Tipp aus dem Soundtrack. Nicht weniger als eine grandiose Mischung aus Bolero, Lawrence of Arabia und CARMINA BURANA.