07.11.2024

Lügen , Wahrheit und Leben.

 



Ich will alles. Von Thomas Mann und Lennard Bernstein.

Da gibt uns das Schicksal einer der wenigen sozialen Experimente wo wir in einer Kontrollgruppe sehen können: „was passiert wenn….“

Nehmen wir zwei Herren, die beide Herren lieben. Beide sind sich jeweils in zwei Sachen sicher. Sie sind Gottes Geschenk an die Menschheit und sie wollen einfach alles. 

Bei dem Geschenk geht es eigentlich um das was sie als Künstler erstellen und nicht um sie als Person. Aber das wäre eine weibliche Perspektive einer Künstlerin auf ihre Kunst. Diese beiden Männer sind Egomaniacs und sehen da kein Unterschied. 

Weibliche Künstler haben meistens viel eher Verstanden, daß das Kunstwerk immer mehr ist, als nur das was die Künstlerin rein getan hat.

Thomas und Lenny haben sicherlich nicht diese Perspektive. Sie sind das Geschenk Gottes. Soviel ist klar für sie. 

Und beide entscheiden sich für ein Leben, das eine wichtige Konvention nicht akzeptiert: „Du kannst nicht alles haben!“

Und darin liegt das Vergleichende Experiment: sie gehen nicht mit der Frage durch das Leben, ob das nicht doch geht. Sondern sie entscheiden über ihr eigenes Leben und setzen als Antwort fest, das für sie es möglich ist, alles zu haben.  Und das Leben spielt mit. Denn dem Leben, dem Schöpfer, dem Schicksal oder der Muppet Show ist es egal, ob du den Weg festlegst und das Ergebnis dem Zufall überlässt. Oder wie bei den beiden Herren, sie das Ergebnis festlegen und dem Leben den Weg bestimmen lassen.

Das ALLES der Herrn ist gleich. Sie wollen die Welt mit ihrer Kunst beglücken und dafür geliebt werden.  Bewundert und gefragt werden.  Und sie wollen dafür nicht aufgeben eine Familie mit einer Frau zu haben und mit ihr Kinder. Obwohl sie Schwul sind. 

Und darin liegt das vergleichende Experiment. Das ist die Antwort auf die Frage, ob alles auf einmal möglich ist. Und das Leben zeigt uns in diesem „Experiment“ auf zwei sehr unterschiedlichen Wegen, wie Mann(sic!) das selbe Ergebnis im Leben erreichen kann. 

Wie soll das möglich sein als schwuler Mann ohne zu lügen, zu betrügen oder Menschen einfach nur zu nutzen, bzw auszunutzen. 

Thomas Mann beantworte diese Frage, eindeutig indem er für sich es als wahr empfindet, das er niemand anlügt oder ausnützt, indem er sich selber anlügt und ausnützt. 

Lenny Bernstein verneint sein Schwulsein nicht, sondern zieht es vor, es als Liebe von allem Menschen zu leben. Sein es Liebhaber, sein es eine Ehefrau, sei es seine Kinder, sein es Musiker oder sein es „Schüler“ seines „Musikunterrichts“.

Er beantwortet die Frage damit, das er aufrichtig Menschen liebt und alle seine Talente an Menschen verschenkt als aufrichtiger Lehrer und indem er sich GANZ als Mensch zeigt. Er lügt also werder, sich noch andere an. Thomas lügt sich an und macht sich damit vor das er andere nicht anlügt. 

Das Experiment zeigt uns was das zum Beispiel mit den Ehefrauen macht. Alle zwei Männer haben starke Frauen als Ehefrau gewählt. Stark in ihren Rollen als Ehefrau und Mutter. Aber mindestens auch so stark was ihre Intelligenz angeht und ihre eigenen Künstlerischen Qualitäten. Und nicht zuletzt die ständig unterschätze Rolle der Muse, als Quelle der Inspiration  und Guidance und der oft notwenigen Disziplinierung.  

* 1904 lernte Thomas Mann Katharina „Katia“ Pringsheim (Tochter des Mathematikers Alfred Pringsheim und Enkelin der Frauenrechtlerin Hedwig Dohm) kennen und begann, um sie zu werben. In seinen Briefen und Tagebüchern sind bis dahin nur homoerotische Schwärmereien dokumentiert. Er lebte seine Homosexualität jedoch nicht aus, es blieb bei Schwärmereien für „Jünglinge“, die unter anderem in Der Tod in Venedig (Gustav von Aschenbach/Tadzio) und im Felix Krull (Lord Kilmarnock/Krull) ihren Niederschlag fanden. Wiki

* Mit dem Entschluss, Katia Pringsheim zu ehelichen, entschied er sich für ein „geordnetes“ Leben und heiratete in eine der angesehensten Familien Münchens ein. Katia zögerte zunächst, sodass die Ehe erst am 11. Februar 1905 geschlossen wurde. In seinem zweiten Roman Königliche Hoheit von 1909 hat Thomas Mann die Brautzeit literarisch verarbeitet. Mit Katia hatte er sechs Kinder: Erika (1905–1969), Klaus (1906–1949, Suizid), Golo (1909–1994), Monika (1910–1992), Elisabeth (1918–2002) und Michael (1919–1977, vermutlich Suizid).

* Felicia Cohn Montealegre (* 6. Februar 1922 in San José, Costa Rica; † 16. Juni 1978 in East Hampton, New York) war eine chilenische Bühnen- und Fernsehschauspielerin. Von 1951 bis zu ihrem Tod war sie mit Leonard Bernstein verheiratet.


Wenn ich mich mit Künstlern und ihrem Werk beschäftige, fallen mir fast immer Muse in der Recherche in den Schoss. Oft kann ich dabei drei Arten von Musen unterscheiden:


1. Die Muse, die einem den Rücken frei hält. (Marke Haushälterin, ohne jedmöglichen Einfluss auf die Kunst)

2. Die Muse, die einem motiviert oder diszipliniert bzw beides. 

3. Und die Muse die einem Künstler inspiriert in eine besondere Richtung zu gehen Künstlerisch.

Oft benutzen gerade Musen der zweiten Art die „Waffe“ der Sexualität als Methode Macht auszuüben.

Bevor jetzt alles Woke Menschen aufschreien, gebe ich einen Bespiel für eine KünstlerIN, die eine Muse hat die die erste Kategorie angehört. In dem Film „Tar“ mit Cate Blanchet ist ihre Ehefrau zwar die Konzertmeisterin von Cate die die Dirigentin eines Symphonie Orchester ist.

In House of Cards hat der Hauptcharakter Francis Underwood mit seiner Ehefrau Claire quasi die Prototypische zweite Art der Muse.

Thomas Mann hat sich selber nicht gereicht und sich selber nicht vertraut . Deswegen war seine Frau seine Disziplinierende Muse par excellence.

Es braucht viel um eine Lüge für sich, seiner Frau, seinem Bruder, seinen Kindern und der Welt aufrecht zu erhalten.

Lenny Bernstein hatte keine Muse. Er hatte eine Ehefrau die er wirklich geliebt hat. Ja und das gebt obwohl man Schwul ist und ohne zu lügen.

Seine Ehefrau fast es zusammen:


„Let’s make not excuses,

he didn’t fail me

It’s my own arrogance,

To  think I could survive,

On what he could give.“


Warum schreib ich darüber. Weil ich mich in zwei Punkten in der Darstellung mit Lenny in diesem Film wiederfinde.

Was es für mich bedeutet und damit für auch, nicht zu lügen.  Und das wahrhaftig sein am ende doch einsam macht. Weil es andere überfordert. 

Beispiele von Zitate dazu über ihn waren:


* „When I teach I learn, when I learn I teach!“

* „Er fühlt die Musik anstatt sie zu hören.“

* „nor blessed but cursed with his talents“

* „He enjoyer being famous. He loved to be famous“

* “as a genius it was not easy in the way that es had alwyas the feeling he is not doing enough, he is not living up to his inner standard, whatever that was.“

* „Er hat nichts ausgelassen. Er hat an den Exzess geglaubt.“

* „He couldn’t get enough of life. He couldn’t live enough life, but today he is tried.“

* „You couldn’t resist him, he was irresistible.“


Was all diese Zitate und das Portrait in diesem Film am besten Zusammen fasst, ist die Idee das Lenny ADHS hatte. 

Und das ist die zweite Übereinstimmung. Natürlich bin ich kein Genie wie Lenny, aber durch ihn und sein Leben und durch diesen Film über ihn habe ich mehr über mich gelernt als in vielen anderen Situationen meines Lebens.